Universit├Ąt Z├╝rich

IKMZ - Department of Communication and Media Research

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  • Sind Corona Contact-Tracing Apps zu empfehlen?


    Auf Basis der alleinigen Debatte des Datenschutz-Designs der App is dies nicht der Fall, bzw. kann das nicht seriös beantwortet werden. Ein umfassende Abwägung fehlt und hat auch folgende Fragen zu berücksichtigen:

     

    Technologisch fehlerfrei? Wie beeinflusst die unmittelbare Umgebung die Funktion bzw. Bluetooth-Signalqualität? Können beispielsweise Trennwände berücksichtigt werden? Gemäss der sog. Heinsberg-Studie (als Pre-Print am 04.05.20 bei der Universität Bonn erschienen) zeigen 22% der Infizierten gar keine Symptome. Wie hilft eine App hier?

     

    Die App-Wirksamkeit variiert mit der App-Nutzung und der Smartphone-Verfügbarkeit. Alte Menschen, Kinder oder Arme sind hier am schlechtesten eingebunden - mögliche blinde Flecken? Findet die App-Nutzung stets in beabsichtigter Form und fehlerfrei statt? Ist das Verständnis und die korrekte Befolgung auch bei Gruppen mit geringen digitalen Fähigkeiten plausibel? Erweckt die App ein falsches Sicherheitsgefühl was folglich eine schädliche Leichtfertigkeit im Handeln begünstigt?

     

    Was sind politische Folgekosten? Handelt es sich um einen Dammbruch durch den Aufbau technischer Überwachungsstruktur? Reduziert eine Einführung heute die Anwendungs-Hemmung bei zukünftigen Krisen (z.B. Kontakt zu Gefährdern)? Ensteht ein sozialer Nutzungsdruck anstatt echter Freiwilligkeit? Ähnliche Bedenken existieren zur Einführung eines möglichen Immunitätspasses.

     

    Entstehen hohe ökonomische Folgekosten aufgrund vieler vorbeugender Arbeitsausfälle durch App-Alarm-Quarantänen? Ist Missbrauch davon eine Gefahr?

     

    Ist der Datenschutz optimiert? Ist eine nicht-technische Alternative nicht die datensparsamste Variante?

     

    Zur Beurteilung einer Contact-Tracing App braucht es eine differenzierte Debatte über deren Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit. Ein starker Fokus auf Datenschutz maskiert, dass auch technische Funktionsfähigkeit, soziale Nutzung und Folgen sowie empirische Wirksamkeit zu klären sind.

     

    Existieren andere, geeignetere nicht-technische Alternativen wie rigoroses, gezieltes Testen, Ermächtigung zur Selbstverantwortung und geschulte Contact-Tracing Teams?

     

    Viele Aspekte sind derzeit offen und ungeklärt. Fazit: Keine Empfehlung für App-Nutzung ohne systematisches Technology Assessment. Technik ist nicht automatisch die beste Lösung.